Brasiliens Erfolg in der Minderung von Wachstumsstörungen (Stunting)

Brasiliens Erfolg in der Minderung von Wachstumsstörungen (Stunting)

Brasilien kann immense Erfolge in der Reduzierung von Wachstumsverzögerungen (Stunting) bei Kindern unter fünf Jahren aufweisen. Dieser erfolgreiche Weg erstreckte sich über mehr als 30 Jahre. Waren etwa 1975 noch 37 % der unter fünfjährigen Brasilianer im körperlichen und geistigen Wachstum beeinträchtigt, so betrug deren Anteil 2007 lediglich 7 %. Parallel dazu ist die Zahl der ausschließlich durch Stillen ernährten Säuglinge (jünger als 6 Monate) von 4,7 % im Jahr 1986 auf 37 % im Jahr 2006 angestiegen und hat sich dann auf diesem Level stabilisiert.

Eine Fallstudie, die diese bemerkenswerten Fortschritte hinterfragt, zeigt, dass zur Verbesserung der Stillquote und zur Verringerung der Wachstumsverzögerung sowohl ernährungssensible als auch ernährungsspezifische Ansätze erforderlich sind. Dies bedeutet, dass sowohl Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden müssen, die direkt Nahrungsdefizite adressieren (ernährungsspezifisch) und so beispielsweise durch die Anreicherung von Salz mit Jod der Jodmangel der deutschen Bevölkerung bedeutend gemindert werden konnte, als auch Maßnahmen , die direkt die Ernährungssituation beeinflussen (ernährungssensibel), indem Menschen zu dieser Thematik besser informiert und aufgeklärt werden, der Anbau von mikronährstoffreichen Pflanzen gefördert wird usw. Diese Maßnahmen lassen sich flächendeckend nur umsetzen, wenn entsprechende soziale und gesundheitspolitische Rahmenbedingungen gegeben sind. Brasilien hatte am Ende des 20. Jahrhunderts Reformen zur Umverteilung des Wohlstandes eingeleitet, Programme im Bereich der öffentlichen Gesundheit einschließlich der Wasser- und Sanitärversorgung etabliert und landesweit verbindliche Richtlinien für die Gesundheit und Ernährung von Müttern und Kindern einschließlich bezahlten Mutterschaftsurlaubs umgesetzt. Allerdings lässt sich die brasilianische Erfolgsgeschichte nicht 1:1 auf die Situation anderer Länder übertragen.

Weitere wissenschaftliche Forschung ist nötig, um zu verstehen, wie kosteneffiziente multisektorale Maßnahmen regional spezifisch eingesetzt werden können, um gleichzeitig Wachstumsstörungen, Übergewicht und Mikronährstoffmängel wirksam zu bekämpfen.

 

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Perez-Escamilla et al. Nutrition disparities and the global burden of malnutrition. BMJ 2018; 361. Published 13 June 2018. Abrufbar unter doi: https://doi.org/10.1136/bmj.k2252

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