Zur Veränderung der Darmflora im ersten Lebensjahr

Zur Veränderung der Darmflora im ersten Lebensjahr

Die Art der Geburt und das Stillen beeinflussen maßgeblich die Zusammensetzung der kindlichen Darmflora, folgerten schwedische Wissenschaftler aus Analysen des Mikrobioms von 98 Babys und ihren Müttern. Als Mikrobiom wird die Gesamtheit des genetischen Materials aller auf und im menschlichen Organismus lebenden Mikroorganismen bezeichnet. In diesem Fall wurden die Mikroben des unteren Darmtrakts untersucht, indem das Genmaterial des Stuhls analysiert wurde. Somit lassen sich Rückschlüsse auf die Mikrobenzusammensetzung ziehen.

Die Wissenschaftler nahmen Proben der Mütter zum Zeitpunkt der Geburt und Proben der Säuglinge zum Zeitpunkt der Geburt, nach 4 und nach 12 Monaten. Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, wie sich das kindliche Mikrobiom ab dem Zeitpunkt der Geburt entwickelt und welchen Einfluss der Geburtsvorgang und das Stillen auf die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms hat. Es zeigte sich, dass das Darm-Mikrobiom der Säuglinge mit steigendem Alter immer stärker dem ihrer Mütter glich. Die Darmflora von Kindern, die vaginal geboren worden waren, wies eine größere Ähnlichkeit zur Mikrobenbesiedlung des mütterlichen Darms auf als bei Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen. Die zum Zeitpunkt der Geburt gefundenen Mikroben der Kaiserschnitt-Kinder lassen vermuten, dass sich bei einer Kaiserschnitt-Geburt auch viele Mikroben der Haut und der umgebenen Umwelt auf das kindliche Darm-Mikrobiom übertragen.

Als besonders prägend für die Entwicklung der Darmflora erwies sich die Ernährung des Säuglings, insbesondere am Ende der Stillphase. Bei Babys, die nicht mehr gestillt wurden, fanden sich Bakterienarten, die typischerweise den erwachsenen Darm besiedeln, wie etwa Roseburia, Clostrium und Anaerostipes. Im Gegensatz dazu dominierten Bifidobacterium und Lactobacillus die Darmmikrobiota von Kindern, solange sie gestillt worden sind.

Die Studie beschreibt auch, wie sich die Fähigkeit des kindlichen Darms zur Herstellung von Aminosäuren und Vitaminen in den ersten vier Monaten des Lebens entwickelt. An der Kapazität, Mikronährstoffe zu verstoffwechseln, kann nach Ansicht der Wissenschaftler die Reifung des kindlichen Mikrobioms abgelesen werden.

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F Bäckhed et al. Dynamics and Stabilization of the Human Gut Microbiome during the First Year of Life. Cell Host Microbe. 2015 May 13;17(5):690-703. Doi: 10.1016/j.chom.2015.04.004. 690–703 (2015), abrufbar über https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25974306

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