Welthunger–Index 2017: Wie Ungleichheit Hunger schafft.

Welthunger–Index 2017: Wie Ungleichheit Hunger schafft.

„Erfolge im Kampf gegen den Hunger gefährdet“, kommentieren die Herausgeber des Welthungerindex‘ 2017 die Ernährungssituation im 119 Länder Vergleich (1). Viel deutlicher noch wird die F.A.Z., indem sie schreibt „Kriege und die Folgen des Klimawandels haben die Fortschritte der vergangenen Jahre im Kampf gegen den Hunger teilweise wieder zunichte gemacht“ (2). Gemessen am Welthunger-Index (WHI) ist im Jahr 2017 im Vergleich zur Jahrtausendwende der Hunger in der Welt um 27 % gesunken. Doch diese Fortschritte sind zwischen den Kontinenten und auch innerhalb der von Hunger besonders betroffenen Länder regional sehr unterschiedlich verteilt. Während sich in China und Brasilien, in Osteuropa, Nordafrika und in Südamerika die Situation verbesserte, leiden in Regionen Südasiens und Ländern südlich der Sahara nach wie vor die meisten Menschen nahezu unverändert unter Hunger. In acht Ländern wie die Zentralafrikanische Republik, im Tschad, Sierra Leone, Sambia, Madagaskar, Jemen, Sudan und Liberia ist die Lage derzeit gravierend oder sehr ernst. Gleichzeitig drohen in Ländern wie dem Südsudan, Nigeria, Somalia und dem Jemen derzeit sogar Hungersnöte.

Die absolute Zahl der Hungernden in der Welt ist innerhalb des vergangenen Jahres (2016) auf geschätzte 815 Millionen Menschen angestiegen, wobei für neun Krisenländer noch gar keine Daten vorliegen (3). Noch immer ist jeder neunte Mensch auf der Welt von Hunger betroffen: Bewohner von Kriegsgebieten und von Gebieten, die der Klimawandel maßgeblich schädigt insbesondere. Nachfolgende Abbildung illustriert den Hunger nach Schweregrad (4).

Der Welthunger-Index (WHI) misst jährlich mittels vier Indikatoren den Ernährungszustand der Bevölkerung in einem Land. Er setzt sich zusammen aus – dem Anteil der unterernährten Menschen an der Gesamtbevölkerung insgesamt, – dem Anteil wachstumsverzögerter Kinder (stunting) und – dem Anteil ausgezehrter Kinder (wasting) unter fünf Jahren sowie aus – der Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren. 2017 werden im Bericht erstmals auch Unterschiede in der Mangelernährung und in der Kindersterblichkeit innerhalb eines Landes ausgewiesen. Schwankungen von über 50 % je nach Region sind dabei keine Seltenheit.

Angesichts der vorliegenden Daten bezweifeln Experten, dass es wie von den Vereinten Nationen gemeinsam beschlossen gelingt, bis zum Jahr 2030 den Hunger aus der Welt zu verbannen. Es sei denn, es werden neue Wege in der Bekämpfung des Hungers beschritten.

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  1. Welthungerhilfe. Welthunger-Index 2017. Erfolge im Kampf gegen Hunger gefährdet. Pressemitteilung vom 12.10.2017, abrufbar unter https://www.welthungerhilfe.de/presse/welthunger-index-2017.html
  2. F.A.Z. vom 12.10.2017. Kriege und Klimawandel vernichten Erfolge, abrufbar unter http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/welthunger-index-kriege-vernichten-erfolge-15242804.html
  3. Welthungerhilfe, IFPRI und Concern Weltweit. 2017. Welthunger-Index. Wie Ungleichheit Hunger schafft. Washington, DC/Bonn/Dublin Oktober 2017, abrufbar über http://www.globalhungerindex.org/pdf/de/2017.pdf
  4. Entnommen aus (1), im Großformat abrufbar unter http://www.globalhungerindex.org/pdf/en/2017/posters.pdf

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