Welternährungsbericht 2017: Nach mehr als zehn Jahren steigt die Zahl der weltweit Hungernden erstmals wieder an.

Welternährungsbericht 2017: Nach mehr als zehn Jahren steigt die Zahl der weltweit Hungernden erstmals wieder an.

Jeder neunte Mensch auf der Erde ist derzeit unterernährt. In Summe sind das 815 Millionen Menschen (die aktuellsten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2016), das sind 38 Millionen mehr als noch 2015. Von den 815 Millionen entfallen 520 Millionen auf Asien (11,7 % der Gesamtbevölkerung) und 243 Millionen auf Afrika (20 %, östliches Afrika 33,9 %).

Der Klimawandel und insbesondere die anhaltende Gewalt in Krisenregionen sowie steigende Nahrungsmittelpreise haben wesentlich dazu beigetragen, dass nunmehr die Zahl der Hungernden wieder ansteigt. So leben 489 Millionen der 815 Millionen Hungernden in Konfliktgebieten. Dies stellt der UN-Report The State of Food Security and Nutrition in the World 2017 fest, der am 15. September 2017 gemeinsam von der UN‑Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, der Weltgesundheitsorganisation WHO und dem Kinderhilfswerk UNICEF herausgegeben worden ist.

Der Bericht zieht eine erste Bilanz, inwieweit die von den UN‑Mitgliedsstaaten 2015 beschlossenen Nachhaltigen Entwicklungsziele (2016-2030) eingehalten werden. Neben der weltweiten Bekämpfung von Armut hat die Linderung von Hunger und Mangel- bzw. Fehlernährung bei Kindern oberste Priorität. Auch in diesem Bericht wird deutlich auf die steigende Coexistenz von Mangelernährung und Übergewicht verwiesen, welche häufig auch als „Double Burden of Malnutrition“ bezeichnet wird. Immer mehr Erwachsene, aber auch Kinder sind übergewichtig und gleichzeitig von einem Nährstoffmangel betroffen. Der Bericht berücksichtigt sechs Indikatoren für den Ernährungszustand in der Welt: das Verhältnis von Körperlänge zum Lebensalter (stunting) bzw. zum Körpergewicht (wasting bzw. Übergewicht) bei unter Fünfjährigen, Fettleibigkeit bei Erwachsenen, Anämien bei Frauen im gebärfähigen Alter und die Häufigkeit des Stillens. Die aktuellsten Zahlen sind im Folgenden unter Angabe der jeweiligen Jahreszahl zusammengefasst (2):

  • 154,8 Millionen Kinder (2016) unter fünf Jahre (= 22,9 %) sind zu klein für ihr Alter (stunted, Wachstumsverzögerung).
  • 51,7 Millionen Kinder (2016) unter fünf Jahren (= 7,7 %) wiegen für ihre Größe zu wenig (wasted, ausgezehrt). Im Gegensatz dazu sind 40,6 Millionen Kinder (2016) unter fünf Jahren (= 6 %) übergewichtig.
  • 640,9 Millionen Erwachsene (= 12,8 %) sind fettleibig (2014).
  • 613,2 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter (= 32,8 %) leiden unter Blutarmut (2016).
  • 60,3 Millionen Säuglinge (= 43,9 %) werden mindestens 6 Monate lang gestillt (2015).

Im Trend nehmen Stunting und Wasting kontinuierlich, wenn auch nicht schnell genug ab, Übergewicht nimmt hingegen beständig zu. Anämien bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren treten in Asien zunehmend und in Afrika weniger häufiger auf, verbleiben jedoch auf beiden Kontinenten auf einem hohen Niveau. Die Bereitschaft zum Stillen wächst weltweit kontinuierlich an. All die beschriebenen Indikatoren werden von einer ausgewogenen Versorgung mit Mikronährstoffen bzw. von Mikronährstoffmangel entscheidend beeinflusst.

 

Read and see more

  1. FAO, WHO and UNICEF. How close are we to #ZeroHunger? The State of Food Security and Nutrition in the World 2017, Der umfassende Bericht ist aufrufbar über: http://www.fao.org/3/a-I7695e.pdf Weitere Informationen und Links finden Sie außerdem auf der Webseite: http://www.fao.org/state-of-food-security-nutrition/en/. Die Beschreibung der verschiedenen Indikatoren für Mangelernährung folgt den Angaben von (2).
  2. UNICEF/WHO/World Bank Group. Joint Child Malnutrition Estimates. Levels and Trends. 2017 Edition, abrufbar über http://www.who.int/nutgrowthdb/estimates/en/
    Interaktive Grafiken ermöglichen den Blick auf Trends in einzelnen Ländern auf einen Blick: http://apps.who.int/gho/data/node.wrapper.nutrition-2016?lang=en

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