Kein Fruchtsaft für Babys

Kein Fruchtsaft für Babys

Kinder sollen in ihrem ersten Lebensjahr keine Fruchtsäfte erhalten, empfiehlt die American Academy of Pediatrics, eine Organisation von Vertretern der Pädiatrie in den USA (1). Fruchtsäfte enthalten kaum Ballaststoffe und vor allem zu viel Zucker. In Deutschland darf Fruchtsaft mit der Bezeichnung “Fruchtgehalt 100 %“ zwar kein zusätzlicher Zucker zugesetzt werden, allerdings enthält Fruchtsaft bereits von Natur aus Zucker, in Form des Fruchtzuckers Fructose. Mit 11 – 16 % fällt der Gehalt an Kohlenhydraten in den Säften rund doppelt so hoch aus wie in der Muttermilch.

Ersetzt der Saft die Muttermilch oder die Säuglingsnahrung anteilig, kann dies zu einer geringen Aufnahme von Proteinen, Fetten sowie von Mikronährstoffen wie Eisen, Kalzium und Zink führen. Kleinkinder, die sich an den übermäßigen Genuss von Fruchtsäften gewöhnen, sind daher sowohl gefährdet, über- als auch mangelernährt zu werden. Zudem beeinflussen Fruchtsäfte (z.B. aus Grapefruit) die Aufnahme von Medikamenten aus dem Darm und ihren Abbau in der Leber und begünstigen chronische Durchfälle. Unbehandelte Säfte können zusätzliche Krankheitserreger wie beispielsweise Salmonellen enthalten. Die US-amerikanischen Kinderärzte raten daher, bei unter Einjährigen ganz auf Fruchtsäfte zu verzichten[1], da diese keinen Ernährungsvorteil bieten. Frisches Obst, kindgerecht portioniert, ist hingegen die bessere Option.

Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin empfiehlt ausschließliches Stillen in den ersten 4 bis 6 Lebensmonaten und die schrittweise Einführung von Beikost zwischen dem 4. und 7. Monat. Vitamin‑C haltige Obstsäfte können dem Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei hinzugefügt werden, um die Eisenabsorption der Breikostmahlzeit zu erhöhen. Eine zusätzliche Zufuhr von Flüssigkeit ist erst erforderlich, wenn das Kind drei Beikost‑Mahlzeiten am Tag (ca. 7. Monat) zu sich nimmt und somit der Wassergehalt der aufgenommenen Nahrung sinkt, außer natürlich bei außergewöhnlichem Flüssigkeitsverlust wie Fieber oder Durchfall. Das Kind sollte aus einem Becher oder einer Tasse trinken und bevorzugt kalorienfreie Getränke wie Trinkwasser oder ungesüßte Tees trinken (2).

Fußnote:
[1] Für ein- bis dreijährige Kleinkinder sind maximal 113 g pro Tag angeraten, ab dem vierten Lebensjahr maximal 170 g und im Alter zwischen 7 und 18 Jahren sollten es dann nicht mehr als 226 g sein.

 

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(1) MB Hyman et al. Fruit Juice in Infants, Children, and Adolescents: Current Recommendations. Pediatrics . Published Online (date) May 22, 2017. Doi: 10.1542/peds.2017-09, abrufbar über http://pediatrics.aappublications.org/content/early/2017/05/18/peds.2017-0967

(2) C. Bührer et al. (2014). Ernährung gesunder Säuglinge Empfehlungen der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Monatsschrift Kinderheilkunde, 6, 527-538.abrufbar über: https://www.dgkj.de/uploads/media/1406_EK_Empfehlungen_Erna%CC%88hrunggesunder_Sa%CC%88uglinge.pdf

 

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