Entwicklungszusammenarbeit kritisch bewertet

Entwicklungszusammenarbeit kritisch bewertet

Als Fluch der guten Absicht umschreibt die Neue Zürcher Zeitung Erfahrungen aus über fünfzig Jahre internationaler Entwicklungspolitik. Den Anstoß dafür bietet eine Prüfung des Effektes von fast 5.000 Milliarden Dollar öffentlicher Entwicklungshilfe seit 1960. Empirische Studien zeigen auf, dass kein positiver Zusammenhang zwischen den Geldströmen nach und dem wirtschaftlichem Wachstum in Entwicklungs- und Schwellenländern besteht. Der ökonomische Aufschwung in Asien, vorzugsweise in Indien und China wird Faktoren wie der Liberalisierung im Innern und der Integration der Länder in den Weltmarkt zugeschrieben, nicht aber primär der Entwicklungshilfe. Kaum jedoch verändert sich die Lage in der Mehrzahl der afrikanischen Staaten, obgleich diese den Großteil der Entwicklungsgelder erhalten und deren Staatsausgaben bis zu 50% aus ausländischen Spenden finanziert werden. Anreize für Regierungen dieser Nehmerländer, staatlichen Verpflichtungen wie Gesundheit und Bildung eigenständig nachzukommen und dabei über Steuereinnahmen Bürger miteinzubeziehen, fallen umso geringer aus, wie die Abhängigkeit von Hilfszahlungen wächst. Hinzu kommt, dass die Strukturen der Entwicklungshilfe sich wie im Selbstlauf reproduzieren und verfestigen, ohne das daraus langfristig Impulse im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe ausgehen. Entwicklungszusammenarbeit ist bislang oft nicht nur fruchtlos, sondern auch schädlich, konstatiert die NZZ unter Berufung auf den Wirtschaftsnobelpreisträger 2015, Angus Deaton. Eine nachhaltige Bekämpfung der Armut und damit auch einer der maßgeblichen Fluchtursachen in Entwicklungsländern wird dann möglich, wenn Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftliche Freiheit in den Entwicklungsländern institutionell garantiert sind.

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T. Fuster.  Der Fluch der guten Absicht . Neue Zürcher Zeitung vom 23. Januar 2016. Seite 17. Zugang über den Link:  http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/der-fluch-der-guten-absicht-ld.4384

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